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Die Abenteuer des Whisley-Meier, Botschaften aus der systemischen Beratungswelt

Erstes Kapitel: Eintauchen ohne unter zu gehen.

Whisley-Meier überprüfte ein letztes Mal sein Shuttle, bevor er zu seiner neuesten Mission aufbrach. Er zeigte sich zufrieden. Alles war an Bord und die Systeme seines Shuttles funktionierten einwandfrei. Obwohl Whisley-Meier viel Erfahrung hatte mit derartigen Einsätzen, war er jedes Mal – nein man kann nicht sagen, nervös oder angespannt. Er hatte kein Lampenfieber oder ähnliches, obwohl das, was er zu tun hatte immer vor den Augen eines durchaus fachkundigen Publikums, bzw. fast öffentlich stattfand. Er war also nicht aufgeregt, aber trotzdem anders an einem Tag wie diesem, an denen er zu einer neuen Mission startete, deren Ausgang wie immer offen war. Er befand sich vielmehr in einem besonderen Erregungszustand, der auch notwendig war, denn er gab ihm die notwendige Aufmerksamkeit. Neugierde paarte sich mit dem Wissen um das Risiko, auf das er sich mit einer solchen Mission einließ. Schon manches Mal war er gestartet mit dem eigenartigen Gefühl, dass er eine Lizenz zum Scheitern mit im Gepäck hatte. Doch Whisley-Meier wäre nicht Whisley-Meier gewesen, wenn er sich von etwas derartigem hätte abschrecken lassen. Er hatte genug Erfahrung gesammelt, um zu wissen, dass sich auch in komplexen Situationen, Öffnungen in Richtung einer positiven Wandlung finden ließen. Oft genug hatte er erlebt, wie sich im entscheidenden Augenblick etwas tat, womit keiner mehr gerechnet hatte. Whisley-Meier wusste zwar um diese Möglichkeit, aber auch er konnte nicht voraussagen, ob es auch diesmal wieder so sein würde. Solche Erfahrungen machten für Whisley-Meier den Reiz aus, den er an seinem Beruf so liebte und dessentwegen er sich immer wieder auf abenteuerliche Missionen einließ. Whisley-Meier bestieg sein Shuttle und ließ noch einmal den Blick über die vielen Instrumente schweifen. Whisley-Meier wusste, dass ihn viele seiner Kollegen um die technische Ausstattung seines Shuttles beneideten. Er hatte viel an der Optimierung seiner Systeme gearbeitet und jedes einzelne konnte sich sehen lassen, aber besonders stolz war er auf seine jüngste Erwerbung, den optischen Materialisator. Dieser ermöglichte es ihm, das betreffende Objekt in jeder beliebigen Vergrößerungs- oder Verkleinerungsstufe zu betrachten, bzw. sich von ihm beliebig zu entfernen oder sich ihm anzunähern. Dies allein war schon eine durchaus nützliche Angelegenheit, da ihm der optische Materialisator sowohl erlaubte, gegebenen Falls sogar die Feinstruktur des Objekts zu erkunden, als auch seine Zuordnung in einem fast beliebigen Horizont wahrzunehmen. Wenig erfahrenen Shuttlenutzern konnte angesichts dieser Möglichkeiten durchaus einmal schwindlig werden, aber das gab sich rasch, wenn man das Prinzip erst einmal verstanden hatte. Für Whisley-Meier war das, wie gesagt alles Routine. Natürlich hatte das System einen 3-D-Modus mit dem Whisley-Meier völlig frei wählen konnte, von welcher Seite er sich dem Objekt nähern wollte, von vorne, von hinten, rechts oder links, oben oder unten. Doch auch das war nichts besonderes, denn das hätte jedes Computerprogramm des beginnenden 21. Jahrhunderts ebenfalls gekonnt. Der optische Materialisator (übrigens prägte sich seit einiger Zeit die Abkürzung Optimat als umgangssprachlicher Begriff für diese Technologie ein) ermöglichte es Whisley-Meier sich mit seinem Shuttle in jeder beliebigen Vergrößerungsebene zu materialisieren (daher der Name „Materialisator“) und damit sozusagen auf Knopfdruck sich dem jeweiligen Objekt nicht mehr von Außen anzunähern, sondern auf der jeweiligen Referenzebene operational tätig zu werden. „Hört sich kompliziert an. Ist aber ganz einfach.“ (Zitat Armin, aus der Sendung mit der Maus). Nachdem Whisley-Meier sich entschieden hat, auf welcher Betrachtungsebene er agieren möchte, drückt er auf den Knopf und ist dann in den passenden Größenverhältnissen nicht mehr draußen, sondern drin. So einfach ist das. In der Erprobungsphase des des optischen Materialisators, kam es vereinzelt zu Unfällen, bei denen die Nutzer auf einer der Ebenen verschollen sind und nicht mehr zurück kamen. Dieses Risiko hat man dadurch beseitigen können, dass man ein Programm installiert hat, das dafür sorgt, dass der Nutzer in regelmäßigen Zeitabständen aus der Innenoperation in den Betrachtungsmodus zurückgeholt wird, um dann gegebenen Falls neu einzutauchen oder sich eine andere Ebene zu wählen. Whisley-Meier machte sich darüber keine Gedanken. Er wollte los, denn dieser Auftrag reizte ihn besonders, war er doch wieder einmal auf ganz seltsame Weise zu Stande gekommen. Whisley-Meier drückte den Startknopf seines Shuttles.

Fortsetzung folgt.

Reinhard Wick