Streiflicht 4
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Impuls: Perspektivenwechsel - makes more fun

Kommt ein Mann zum Arzt mit einem fetten Frosch auf dem Kopf. Sagt der Arzt: "Um Himmels Willen, das ist ja schrecklich! Was ist denn Ihnen passiert?" Sagt der Frosch: "Ja, nicht wahr, das ist schlimm. Den habe ich mir wohl eingetreten." Die Bedeutung des Perspektivenwechsels spielt hier eine große Rolle. Kein Mensch würde eine Miene verziehen, wenn die Geschichte so erzählt würde: Ein Frosch sitzt auf dem Kopf eines Mannes und geht zum Arzt und sagt: "Herr Doktor, den habe ich mir eingetreten." Auch die Variante: Kommt ein Mann zum Arzt mit einem Frosch auf dem Kopf und sagt: "Herr Doktor da bringe ich ihnen den Frosch, der sich mich eingetreten hat," - würde ihren Zweck verfehlen. Die Heiterkeit zieht da ein, wo in der Erzählung ein überraschender Perspektivenwechsel stattfindet. Dieser Perspektivenwechsel wirkt irritierend. Die ursprünglich vorhandene Vorstellung und auch die entsprechende Erwartung werden enttäuscht. Die Erwartung ist, dass wie schon zu Beginn eine Arzt-Patienten-Kommunikation stattfindet und die Kommunikation weiter zwischen dem Mann, der zum Arzt kommt, und dem Arzt fortgesetzt wird. Die überraschende Wende ist, dass er Frosch die Kommunikation aufnimmt und die Rolle des Patienten einnimmt. Der Zuhörer muss die bereits gebildete Vorstellung Patient-Arzt aufgeben und den Zusammenhang neu konstruieren, was allerdings nicht mehr gelingt. Die Irritation muss bleiben, wenn Heiterkeit erzielt werden will. Das gilt auch im Folgenden: Kommt ein Mann in den Bäckerladen und sagt: "Ich hätte gerne 99 Brötchen." Die Verkäuferin: "Nehmen sie eines mehr, dann haben sie 100." Der Mann: "Wer soll die denn alle essen?" Hier ist der Perspektivenwechsel weniger auffallend, aber nicht weniger wirksam. In diesem Fall wird die Irritation vorbereitet durch die banale Aussage der Verkäuferin: "Nehmen sie eines mehr, dann haben sie 100." Dies ist rechnerisch einwandfrei, aber bietet keinerlei Inhalt. Man überlegt: "Was soll das denn?" Man ist sozusagen auf der Hut, was da wohl kommt. Aber dieses auf der Hut sein schützt nicht sondern macht geradezu anfällig, für das, was kommt. Der Perspektivenwechsel ist ein "innerer". Er findet auf der Motivationsebene statt. Die Erwartung ist: jemand, der 99 Brötchen verlangt, möchte - aus welchem Grund auch immer - eine große Anzahl Brötchen haben. Die Aussage des Kunden: Wer soll die denn alle essen, stellt gerade diesen Ansatz in Frage. Zurück bleibt die Irritation und demzufolge die Heiterkeit. Noch ein Beispiel gefällig?: Der Schuljunge steht vor dem Schreibtisch des Therapeuten. Wir können ihn uns in weißem Kittel vorstellen, wenn es uns Freude macht, Klischees zu bedienen. Dieser beugt sich vertrauensvoll zu dem Jungen vor und sagt: "Wir machen also immer noch in die Hose." Der Junge überrascht und erfreut: "Du auch?" Die im therapeutischen Kontext eindeutig im Sinne einer Exploration zu verstehende Frage wird von dem Jungen in einen verschwörerisch kumpelhaften Kontext abgeändert. Wieder mit demselben Effekt der enttäuschten Erwartungen des Zuhörers und der Irritation aufgrund des vorgenommenen Perspektivenwechsels und damit eine nicht zu vermeidende Heiterkeit. Im therapeutischen und beraterischen Kontext sind Rollen und Rollenerwartungen in einem verhältnismäßig eingeschränkenden Sinn vorgegeben. Läge in den beiden Beispielen aus dem ärztlichen Bereich nicht eine solch festgelegte Rollenzuweisung - wer ist der Patient, wer ist der Arzt - vor, wäre der Heiterkeitseffekt weit weniger groß. Anfangssituationen im Familientherapeutischen Kontext sind sehr von dem bestimmt, was die Erwachsenen glauben, wie man sich in Gegenwart eines Therapeuten oder Arztes zu benehmen hat, wie man auf Fragen reagiert usw. Wer sich entschließt, Beratung oder Therapie in Anspruch zu nehmen, nimmt damit auch eine Rolle ein. Dass er dem Therapeuten zutraut, was er selbst nicht geschafft hat: nämlich das, was er als Einzelbeobachtungen zusammengetragen hat - und da war dann auch noch - in einen diagnostischen Zusammenhang zu stellen und ihm eine Bedeutung zu geben, die ihm selbst verschlossen ist und möglicher Weise auch verschlossen bleibt. Hauptsache, der Experte unternimmt die richtigen Schritte. Eine Zuweisung an den "Experten", die den Rahmen des therapeutisch machbaren und menschlich möglichen weit überschreitet. Wer da nicht lacht, sondern eine solche Erwartung unausgesprochen akzeptiert, hat schon verloren. Manch eine therapeutische Erstbegegnung findet in der gespannte Atmosphäre statt, dass das bisher Verborgene (wörtl. Okkulte) ans Tageslicht gebracht wird. Was der Zahnarzt mit seinem Bohrer schafft, soll der Therapeut durch seine Kunst ebenfalls erreichen. Dieses geschnürte Paket an Erwartungen wirkt sich aber besonders auf der Seite der Kunden hinderlich auf einen gelingenden Lösungsprozess aus, da es immer mit Ängsten verbunden ist, wenn das Verborgene ans Tageslicht kommen soll. Es muss also von daher bereits im Erstkontakt gelingen, den andächtig versammelten einen Perspektivenwechsel im Blick auf das gemeinsame Anliegen anzubieten. Dabei geht es, wie die Beispiele gezeigt haben, oft nicht ohne Heiterkeit ab. Es zeigt sich, dass Kunden ein solches Angebot sehr rasch aufgreifen, wenn klar wird, welches Vorgehen für alle am Nützlichsten ist. Einen Perspektivenwechsel nahm der junge Mann vor, der sich bei der zweiten Sitzung auf den Stuhl setzte, den in der Stunde zuvor der Therapeut eingenommen hatte. Perspektivenwechsel sind ratsam, wenn alle in einem System gebannt auf den Indexpatienten blicken und von ihm und seinem Verhalten schicksalhaft alles Zukunftsentscheidende erwarten. Erlaubt an Interventionen ist hier vieles, soweit es passend ist und das aufgreift, was die Kundschaft anbietet. Scheuen Sie sich als Beraterin und Berater nicht vor jenen erheiternden Gedanken, mit denen sie sich in allzu angespannten Therapiesituationen innerlich Luft machen. Lassen Sie ihre Kunden unter Berücksichtigung der guten Sitten selbstverständlich an ihrer Kreativität teilhaben. Es wird auch ihren Kunden wohl tun und zu einem klaren Arbeitskontext beitragen. Viel Spaß dabei. Kommt ein Mann zum Therapeuten ...

Reinhard Wick