Streiflicht 7
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Der Rahmen macht das Bild!

Wenn man einge Gemäldeausstellung besucht, findet man Bild und Rahmen in der Regel als Einheit vor, so dass man wohl nicht ohne Weiteres auf die Idee käme, beides von einander zu trennen oder in einem Nacheinander zu sehen. Anders ist es schon, wenn man durch den Sucher einer Foto oder Videocamera schaut. Die Wahl des Bildausschnitts entscheidet über das, was gezeigt werden soll. Ein günstiger Ausschnitt wird die Qualität des Bildes heben, ein ungünstiger das Gegenteil bewirken.
Noch einmal anders habe ich es als Kind in einem Wanderzirkus erlebt. Es war der Clown der in der Manege seine Späße machte und die Zuschauer zum Lachen brachte. Irgendwann begann er mit seiner Reitpeitsche zu spielen und bog sie zu einem Oval zusammen. Jeder dachte: Was soll das jetzt. Und dann begann er durch sie Reihen der Zuschauer zu wandern. Irgendwann hielt er seine gebogene Reitpeitsche einem Herrn mit Glatze vor das Gesicht. Noch immer war nicht klar, was er wollte. Der Herr war irritiert und die Zuschauer auch. Dann verkündetet er feierlich: Mondschein an der Alster. Einige lachten. Andere noch nicht. Der Clown manövriert sich zum nächsten und rahmt Bilder mit seiner Reitpeitsche: Unschuld vom Lande, scheues Reh, Buldogge, Alte Liebe, Mona Lisa, junges Glück und anderes. Es macht allen Spaß, vor allem, denen die nicht „gerahmt“ werden. Und die anderen nehmen es mit Humor.
Dieser Clown war in den 60-er Jahren offensichtlich seiner Zeit voraus, denn er nutzte die eine Technik, die in der systemischen Beratung erst später erfunden werden sollte: das Refraiming. Vom Clown können wir lernen, wie das funktioniert: Zunächst wird ein Unterschied eingeführt. Innerhalb der gebogenen Reitpeitsche findet sich das Gemeinte, außerhalb, all das, was für die Darstellung keine Bedeutung hat. Was er als Ausschnitt wählt, bestimmt alleine der Clown. Er schafft das Bild, durch seine Auswahl. Im nächsten Schritt gibt er dem Bild eine Bedeutung. Der Titel, den er wählt, steht in gewissem Zusammenhang mit dem Dargestellten, aber das Dargestellte legt den Titel nicht eindeutig fest.  Bei der Wahl des Titels darf er provokant sein, aber nicht verletzend. Das wäre für ihn, die Dargestellten und das Publikum peinlich. Alles andere ist seiner Kreativität überlassen.
Nichts anderes tut ein systmischer Berater / eine systemsiche Beraterin, wenn er oder sie die Intervention des Refraimings einsetzt. Ein bestimmter Sachverhalt wird herausgehoben und mit einem Titel versehen: die immer hilfsbereite Frau, wird zur Mutter Theresa; der Jugendliche, der sich bis an die Grenzen seiner Möglichkeiten für den Bestand der Familie einsetzt wird zum Superman; der Streit des Paares, der nie enden will, wird als Marathon, oder zumindest „rekordverdächtig“ eingestuft. Wo ein Refraiming gelingt, ist eine gewisse Heiterkeit, bei der der mit seinem Verhalten „Gerahmte“ zwangsweise über sich selbst lächelt, nicht zu vermeiden.
Also denken Sie daran: der Rahmen macht das Bild. Auch das Bild, das sich eine oder einer  von sich selbst macht.