Streiflicht 9
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Dann nehmen Sie jetzt das Beseli“ – Emil Steinberger berät Sie kompetent

Wussten Sie schon, dass Emil Steinberger in seinem Sketch „Polizeiwache“ als durchaus kompetenter ja geradezu brillanter Berater in Erscheinung tritt? Nachdem der sich mit „Polizeithauptwache Schnieder, nachts um halb drei“ gemeldet hat, lässt er sich eingehend das Problem schildern. „Aha eine Bombe“. Mit gezielten Fragen grenzt der das Problem ein und gibt bereitwillig und fachkundig Bescheid: „Wenn die Bombe tickt, ist es vermutlich eine Zeitbombe“. Man kann ihm kein Desinteresse an der Situation des Anrufers vorwerfen, obwohl auch andere Fragen, als die von ihm gestellten denkbar wären. Wie zum Beispiel die Frage nach dem Ergehen des Anrufers: „Wie geht es Ihnen jetzt damit, dass sie wissen, dass es sich um eine Zeitbombe handelt?“ Oder mit einer lösungs orientierten Frage: „Angenommen ihr Problem mit der Bombe wäre gelöst, woran würden Sie das merken und was konkret würden Sie dann anders machen?“ Solche Fragen ließen sich neben den erkundenden Fragen, die Emil Steinberger stellt, durchaus noch platzieren.

In seiner Haltung ist er durch und durch authentisch: „Ja ich kann jetzt auch nicht weg, ich bin ja alleine hier.“ So gelingt es ihm sehr rasch eine wohltuende Vertrautheit zwischen ihm und dem Anrufer zu installieren. Wahrlich sehr kompetent. Hinzu kommt, dass er damit auch deutlich zu seinen persönlichen Grenzen steht, sich vor Überforderung schützt und dem Anrufer gegenüber sein Angebot klar macht, nämlich Beratung. Was sonst. Indem er das tut, trägt er entsprechend der Zielsetzung einer guten Beratung, dazu bei, dass der Anrufer eigene Lösungen, entsprechend der ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten sozusagen passgenau erschließen kann.

Die Fragen und Anweisungen von Emil Steinberger als Berater sind klar und zielgerichtet. Vor allem behält er die Nerven und lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen, was ja von Hilfesuchenden immer wieder als hilfreich erlebt wird. Was hilft es denn, wenn zur eigenen Aufgeregtheit – man stelle sich vor: eine Bombe vor dem Haus! – auch noch die konsultierte Fachkraft in Panik geraten würde.

Nein, nein bei einer systemischen Beratung darf man sich durch die Inhalte, und seien sie noch so dramatisch, nicht blenden lassen. Und diese Haltung dem Problem gegenüber hält Emil Steinberger durch bis zum Schluss. Nachdem er in einem weiteren Anruf erfahren hat, dass die Bombe hochgegangen ist, genügt zunächst ein kurzes „Oha“, d.h. eine minimale Intervention und dann die praktische Anweisung: „Dann nehmen Sie halt jetzt, das Beseli und räumen alles ein bisschen auf die Seite.“ Wobei besonders der letzte Teil der Aussage von Bedeutung ist, bewahrt sie doch mit der Einfügung „ein bisschen“ vor Überforderung.

Besser kann man es bei einer Beratung einfach nicht machen!
Es gibt da nur einen, wie soll man sagen, gewissen Schönheitsfehler, eine Kleinigkeit, die Emil Steinberger bei der ganzen Sache übersehen hat. Aber das kann wohl im Eifer des Gefechtes auch dem besten Berater unterlaufen: er hat nur den Kontext nicht beachtet. Er hat übersehen, dass es sich bei dem Ganzen nicht um ein Beratungsanliegen „Hilf mir meine Fähigkeiten zu entwickeln“ gehandelt hat, sondern um einen Notruf und die einzig angemessene Reaktion bei einem Notruf, die Einleitung einer Krisenintervention, die ganz bestimmte Maßnahmen erfordert nur eines nicht: eine Beratung. Eine solche Verwechslung kann mit gewissen nachteiligen Folgen für den Anrufer verbunden zu sein, aber ein freundliches und verständnisvolles Wort, bringt manches wieder ins Lot: „Dann nehmen Sie halt jetzt das Beseli.“ Also seien auch Sie mutig, beraten Sie wo und wann immer es geht. Wird schon schief gehen!

Unter uns gesagt: Ich bin ja so froh, dass dem Emil Steinberger das passiert ist. Erstens, weil sonst ja sein Publikum nichts zu lachen gehabt und ich aus systemischer Perspektive nichts dazu zu schreiben gehabt hätte.

Reinhard Wick